Kulturverlust am Beispiel "Verdi"

Werte redliche Heimseitenbesucher,

anständige Menschen lieben Volksmusik, Märsche und Christliche Choräle – eine Binsenweisheit, die man nicht oft genug in die Köpfe junger Menschen eintrichtern kann.

Hocherfreut war ich daher der Presse zu entnehmen, dass heute in Düsseldorf ein „Aufmarsch von Verdi“ als Spektakulum erfolgen sollte. Potztausend, die herrlichen Töne dieses Altmeisters der klassischen Musik waren mir natürlich immer bekannt, indes war mir neu, dass dieser überaus redliche Musikus auch keusche Marschmusik zu komponieren pflegte.

Ich habe daher kurz entschlossen bei der Familie Auerstedt geklingelt und zackickst das Antreten des dicken Buben befohlen, um ihn mit diesen Feinheiten der Kulturmusik vertraut zu machen. Der saubere Herr Vater indes starrte mich nur entgeistert an und stammelte etwas wie „Herr von Klotz, grade SIE wollen einen Straßenmarsch von Verdi….“, aber da hatte ich den dicken Frischling schon am Ohre gepackt und auf die Straße gezogen, ohne dem Gestammel des Herrn Vaters noch weiter zu folgen.

Schlimm genug, dass es wieder einmal an einem anständigen Menschen wie mir hängen bleibt, den Nachwuchs mit den Feinheiten vertraut zu machen, die uns von den Hottentotten unterscheiden! Vom Elternhause Auerstedt bekommt der Bub ja nur Sozen-Kokolores wie „Arbeitskampf“, „Gewerkschaften“ und dergleichen Spinnereien zu hören.

Pünktlich zu genannten Zeitpunkt hatten wir uns dann am Aufmarschplatz des „Sternmarsches“ eingefunden und schon von weitem konnte man den redlichen Zug vernehmen, der jedoch schon auf diese Distanz mein Missfallen erregte.
Offensichtlich handelte es sich um eine so genannte neue, modische Inszenierung, denn die Musikanten waren in einfältige rote Laibchen gekleidet, die eher an einen Aufmarsch der Kommunisten als eine eine klassische Oper denken ließen.

Nervös spielte ich mit meinem bewährten Spazierstock, als sich der Zug, mit einem Schreihals voran, langsam näherte.

Die musikalische Interpretation Verdis war unter alles Kanone, sapperlot! Die Trommeln spielten alles, nur keinen redlichen Marsch und die klassische Flöte wurde durch eine schnöde Trillerpfeife ersetzt. Der Chortext, der zudem nicht „saß“ und auf großen Spickzetteln mitgeführt wurde, beschränkte sich auf ein simples „Wir haben genug!“ bzw. „Wir machen nicht mehr mit!“

„Donner und Doria !“ rief ich „sollen brave Bürger hier genasführt werden?“.

Ich weiß noch, wie ich mir den Dirigenten zur Brust nahm, der den ganzen Haufen anführte und ihn redlichst anschrie, was dieser ganze Kokolores zu bedeuten habe. Auch entsinne ich mich einer konfusen Antwort - danach jedoch muss mich mein heiliger Zorn übermannt haben, da gewisse Lücken in der Erinnerung vorhanden sind. Der dicke Auerstedt Bub wusste indes später zu berichten, das ich mit meinem Stock durch die Menge gepflügt sei, dass die rote Laibchen fielen „…wie Tomaten, die auf den Boden klatschen“. Zudem habe ich wiederholt „Geht arbeiten!“ gebrüllt.

Parbleu, ein weiterer Beweis für den anhaltenden Kulturverlust, wenn die großen Komponisten mit derlei Straßen-Scharaden in den Dreck gezogen werden.

Mein Einsatz für den Erhalt unserer musikalischen Kultur blieb jedoch nicht gänzlich unbemerkt, erhielt ich doch noch am selben Tag eine Einladung des „Düsseldorfer Arbeitgeber Club“. Man wolle in gemütlicher Runde „…von mir lernen“ und es würde Mozart gespielt.

Na bitte, sapperlot, noch ist das Vaterland nicht verloren!

Redlichst
Bodo von Klotz, Konteradmiral a.D.


Baron Jesus Maria von Friedel Konteradmiral a.D. Bodo von Klotz Dr. Traugott Leimhuber Ferdinand Birnbaum Baldian Loth Kardinal Theodore de Marcus