Schluss mit dem Rauchwahnsinn!

Werte Heimseitenbesucher,

Gewiss haben auch Sie mit einiger Spannung die derzeit in sämtlichen Gazetten allgegenwärtige Debatte hinsichtlich des Rauchverbots in Gaststätten verfolgt. Ich muss sagen, ich bin redlichst begeistert von den Bemühungen der kaiserlichen Regierung, diese grausige Angewohnheit endlich von der gesellschaftlichen Akzeptanz auszuschließen, Potzdonner!

Schließlich weiß ich jederzeit, wovon ich an dieser Stelle parliere. Schon in jüngsten Jahren war ich stets dem garstigen Qualm der Friedenspfeife meiner Kinderfrau aus den Anden ausgesetzt. Von unzähligen Besuchen des Offizierskasinos in meiner Zeit bei den kaiserlichen Dragonern einmal ganz abgesehen. Stets tat man meine berechtigten Beschwerden als "überzogen" ab, ein jugendlicher Qualm-Lümmel besaß dereinst sogar die Frechheit, mich wegen angeblich zugefügter "Hämatome im Hals- und Nackenbereich" anzuzeigen - ein Skandal sondergleichen!


Rauchen macht süchtig und halbstark

Dabei handelt es sich um eine wissenschaftliche Tatsache, dass jährlich c.a. 3.300 rechtschaffene Nichtraucher an den Folgen des Passiv-Inhalierens garstiger Rauchdämpfe versterben. Das sind 1783 Personen mehr, als jene 1517 bedauernswerten Menschen, welche bei dem schrecklichen Titanic-Unglück ihr Leben lassen mussten! Man lasse sich diesen skandalösen Umstand einmal auf der Lunge zergehen!

Zudem verkürzt jede Cigarette - wohlgemerkt auch eine passiv inhalierte - das Leben um 8 Minuten. Ich möchte mir in diesem Zusammenhange das mathematische Exempel ersparen, um wieviele geruhsame Mittagsschläfchen mich diese garstigen Monstren gebracht haben. Gewiss hätte ich durchaus noch das Alter von 167 erreichen können, so scheint mir das Schicksal beschieden, diese Welt vor meiner Zeit zu verlassen, unfähig, mich angemessen mit meiner wohlverdienten Mittagsruhe zu befassen - statt dem gemütlichen Nickerchen der ewige Schlaf. So grausam ist die Realität in diesem Lande.


Der Untergang der Titanic - im Vergleich zum Untergang des Abendlandes ein Pappenstiel

Fragt man nach den Hauptverantwortlichen dieser Misere, so muss man diese erwartungsgemäß bei der garstigen Jugend suchen. So versterben pro Jahr bereits 60 Säuglinge (!) an den Folgen des Rauchens. Diese Zahl weiß für sich zu sprechen, selbst vor dem Erlangen der Halbstärke können diese Noch-Nicht-Starken nicht an sich halten und verpesten mit ihrem Qualm die Umwelt.


Die Raucherzone: Humbug oder Kokolores?

Diese Tatsache sei noch mit einer kleinen Anekdote aus meinem Persönlichen Erfahrungsschatze unterstrichen. Unlängst begab ich mich an den Münchener Zeppelin-Luftbahnhof, um ein Billet zu lösen. Nach einer beschwerlichen Suche nach den Billet-Schaltern begann mein Hühnerauge schrecklich zu schmerzen. Ich beschloss, umgehend eine wohlverdiente Rast einzulegen, und mich sodann frisch erholt wieder auf den beschwerlichen Weg zu machen. Ein durchaus gemütlich wirkendes Glaszimmer erschien mir zu diesem Zwecke geradezu prädestiniert. Leider betraten nicht lange nach mir zwei jugendliche Strauchdiebe ebenjenen Raum, um sich mit unverfrorener Selbstverständlichkeit eine garstige Cigarette anzustecken, Feurio! Als ich begann, Zeter und Mordio zu schreien, erfolgte in naseweisem Ton der Hinweis, bei dem Glaszimmer handele es sich um eine sogenanntes "Raucherzone". Einen solchen Kokolores kann sich nur ein Jugendlicher ausdenken. Nun, um es kurz zu machen: erst der Einsatz meines Taschen-Rapiers wusste der Diskussion die entscheidende Wendung zu meinen Gunsten zu geben.

Es erscheint also unabdingbar, umfassende Schritte gegen solcherlei Auswüchse einzuleiten, wobei die momentan getroffenen Maßnahmen hier meines Erachtens noch zu kurz greifen.

Ich fordere daher:

- Rauchverbot auf dem gesamten Reichsgebiet
- Kenntlichmachung aller Raucher durch den "Schwarzen-Raucherlungen-Anstecker"
- Verlegung sämtlicher "Raucherzonen" nach Bagdad oder Kabul - dort raucht und qualmt es ohnehin permanent
- Verbot der Jugend (sicherheitshalber stets ein Probates Mittel)


Sie, werte Leser werden mir gewiss zustimmen: geht es um die eigene Gesundheit, ist selbst der duldsamste Mensch einmal zur Intoleranz berechtigt.

Ihr
Baron von Friedel


Baron Jesus Maria von Friedel Konteradmiral a.D. Bodo von Klotz Dr. Traugott Leimhuber Ferdinand Birnbaum Baldian Loth Kardinal Theodore de Marcus