Sie haben es der Tagespresse bestimmt entnommen: allenthalben tobt die Vogelseuche.
Wie bei solchen Anlässen üblich, bekommt man auch in diesem Fall zahlreiche Irrlehren zu lesen.
Ein besonders übler, populärwissenschaftlicher Irrtum ist in diesem Zusammenhang, dass die Übertragung dieser Seuche vom Tier auf den Menschen erfolgt.

Es verhält sich nämlich genau umgekehrt – in Wirklichkeit wird das bedauernswerte Federvieh von Menschen mit dieser bösen Seuche infiziert, genauer gesagt von den größten Bazillenherden der Menschheitsgeschichte: Kindern!

Gehen wir das ganze doch einmal wissenschaftlich an: Wie sollte sich beispielsweise eine Ente mit Grippe infizieren? Schließlich verfügen diese possierlichen Tierchen über ein warmes Kleid aus schützenden Federn, es wird sogar noch durch einen schützenden Ölfilm verstärkt, den die chemische Industrie den Tieren großzügigerweise spendiert.
Sie sehen schon – es wäre wirklich absurd, den Tieren die Schuld zu geben.
Dagegen ist es eine weithin bekannte Tatsache, dass insbesondere Kinder sich mit Vorliebe mit dem Entenfüttern beschäftigen, hierzu beachte man mein erstes Dia:



Selbstverständlich tragen unsaubere Kinder stets einen wahren Streichelzoo aus Bazillen und unappetitlichen Fäkalkeimen mit sich herum, und schwuppdiwupp – unsere gefiederten Freunde, die nichts ahnend das infantil- konterminierte Brot verspeisen haben sich angesteckt.

Ein anderes Beispiel macht meine These noch deutlicher: wie sollten sich die braven Hennen anstecken, sind sie doch in ihrer gemütlichen Legebatterie vor Wind und Wetter bestens geschützt, und werden zudem von den umsichtigen Besitzern allerbestens mit Medikamenten versorgt.

Hier kann nur ein besonders aggressiver Keim noch verheerenden Schaden anrichten.
Wie aber kommt dieser hinein?
Nun, sehr einfach, allein die Jahreszeit gibt die Antwort fast von selbst: durch ostereinersuchende Blagen!
Muss ich noch mehr sagen? Quod erat Demonstrandum, wie der Mathematiker in so einem Fall sagen würde.

Die Tatsache, dass Kinder sich mit besonderer Vorliebe auf Eier stürzen wie der Gaier auf das Aas bedarf nun wirklich keiner weiteren Erläuterung, fast könnte ich mir das nächste Dia schenken:



Was aber ist nun zu tun?
Immerhin haben die Regierungen die Zeichen der Zeit bereits erkannt, und erfreulicherweise im größeren Stil Medikamente angekauft.
So soll es sein: nur die Segnungen der Pharma-Industrie können uns dauerhaft vor Kinderkeim-Pandemien schützen.
Man sollte die Pharma-Industrie für ihren selbstlosen Einsatz eindeutig besser entlohnen.

Ich habe folgenden Maßnahmenkatalog erarbeitet:

- Stallpflicht für Kinder bis zum Alter von 35

- Verstärkte Zuleitung von desinfizierenden Chemikalien in sämtliche Gewässer

- Errichtung von zusätzlichen Legebatterie-Notunterkünften für unsere gefiederten Freunde

- Abrodung sämtlicher Gehölze, um den Kindern keine Rückzugsmöglichkeiten zu lassen

- Weiterer Ankauf von grippevertilgenden Medikamenten

Wird mein Maßnahmenkatalog gewissenhaft befolgt, sollte das Problem schon bald aus der Welt sein.

Mit freundlichen Grüßen,
Professor Unrath


Baron Jesus Maria von Friedel Konteradmiral a.D. Bodo von Klotz Dr. Traugott Leimhuber Ferdinand Birnbaum Baldian Loth Kardinal Theodore de Marcus