Wie sie wissen, bin ich ein stets am Wohl meiner Mitmenschen orientierter Herr. So beschloss ich also, den heutigen Tage damit zu verbringen, mich im örtlichen Einkaufszentrum für redlichst modische Kleidung mit ebensolcher einzudecken, um Menschen, die mit weniger Geschmack gesegnet sind, als ich selbst, noch besser als redliches Vorbild dienen zu können.

Sie werden sich natürlich denken können: ob der Verdorbenheit der heutigen Gesellschaft war es mir leider nicht möglich, meinen bereits erwähnten Einkauf keuscher Anzüge in ruhiger Besinnung und innerer Einkehr durchzuführen. Nein, statt dessen musste ich bereits nach wenigen Minuten in genanntem Laden meine Augen mit dem folgenden Anblick belasten:


Die grauenhafte Fratze des Teufels
Als wäre es nicht genug, dass ich diese bösartige Kreatur anzusehen gezwungen war, gab der Bub neben zahlreichen unartikulierten Lauten, etwas von sich, dass klang, als solle es heißen: „Ich will meine Sackhosen, Alte!“
Wie ihnen bekannt ist, handelt es sich bei mir um einen Herrn von nicht unerheblichem pädagogischen Geschick, so entschloss ich mich - nun wiederum aufgrund meiner wohltätigen Ader – der angesprochenen „Alten“, vermutlich der Mutter des Buben, zur Hilfe zu eilen, und mich selbst an der Erziehung des Kindleins zu versuchen.
Als, wie ich erwähnte, pädagogisches Genie weis ich um die erzieherische Wirkung, die schon die Kleidung auf einen jungen Bengel hat. Kaum ein Erlebnis hat eine redlichere Wirkung auf ein einen garstigen Buben, als die Bewunderung der Schulkameraden, führt man auf dem Schulhofe einen neuen Anzug mit keuschem Binder vor.
Von noch immer ertönenden Ausrufen, wie „Boah, das sind keine Sackhosen, du Penner!“ ließ ich mich indes nicht beirren und suchte dem Kinde einen ebenso form- wie farbschönen Anzug heraus.
Schon bei der Anprobe allerdings stellte sich heraus, dass der Anzug vielmehr mir zu passen geneigt war, als dem garstigen Bengel. Da ich nun ein Menschenfreund erster Güte bin, entschloss ich mich, der Mutter des Jungen zu erlauben, mir zum Lohn für meine Mühen die besagte Bekleidung zu schenken.
Mit einem fröhlichen „Die Dame zahlt!“ hinterließ ich also das Kaufhaus um einen redlichen Buben bereichert – Sie werden zugeben müssen: meinen Anzug habe ich mir verdient!

Hochachtungsvoll
Dr. Traugott Leimhuber



Baron Jesus Maria von Friedel Konteradmiral a.D. Bodo von Klotz Dr. Traugott Leimhuber Ferdinand Birnbaum Baldian Loth Kardinal Theodore de Marcus