nun allerdings komme ich nicht umhin, meinem Ärger redlichst Ausdruck zu verleihen. Sie fragen sich natürlich, wieso ein ausgeglichener Mensch, wie ich ein solcher bin, gezwungen ist, in Wut zu geraten, doch werden sie diesen Umstand, seien sie dessen versichert, nach meiner nachfolgenden Schilderung der gestrigen Ereignisse problemlos nachvollziehen können.

Der Fall, von dem ich ihnen zur Beruhigung meines Gemütes an dieser Stelle berichten möchte, ist prinzipiell durchaus ein solcher von Redlichkeit: ein Herr, der des Diebstahles angezeigt worden war, besaß die Freundlichkeit, mich durch die Zahlung einer aus Gründen der Diskretion hier nicht näher zu spezifizierenden Summe davon zu überzeugen, dass er ein netter Mensch, daher nach dem Prinzip „bezahlte Menschenkenntnis“ unschuldig ist. Mein Vorgesetzter allerdings ist ein Mensch von Garstigkeit, der lediglich aufgrund seiner Parteizugehörigkeit von der sozialistischen Chaosregierung in seine jetzige Position befördert worden ist – wie sollte es anders sein, ist doch der Herr nur äußerst selten meiner Meinung, was bei einem redlichen Menschen selbstverständlich häufiger vorkäme. Aufgrund seiner Sturheit ist der Herr leitende Oberstaatsanwalt leider ebenso wenig vom Prinzip „bezahlte Menschenkenntnis, wie von der Unschuld des Herrn Schramm, des angeblichen Diebes also, überzeugt gewesen. Aus diesem Grunde war ich leider gezwungen, trotz der offensichtlichen Redlichkeit des Herrn Schramm, eine Anklage gegen den selben zu erheben.

Bereits im Vorfeld hatte ich beschlossen, den meisten der – ohnehin vollkommen unglaubwürdigen - Zeugen, die Herrn Schramm bei seinem Diebstahl beobachtet haben wollen, ein frühes Aufstehen zu ersparen, verzichtete also darauf, ihre Aussagen vor Gericht zu verlangen, wäre doch damit, wie sie einsehen werden, niemandem gedient gewesen. Zudem konnte ich es dem Gericht unmöglich zumuten, eine Schar von ganzen zehn Lügenbolden anzuhören – unmöglich.

Am gestrigen Tage musste ich es mir nun also zumuten, die Anklage gegen den Herrn zu führen. Eloquent, wie stets, stellte ich im Verlaufe der Verhandlung heraus, dass der Angeklagte sein „Diebesgut“ lediglich gefunden, keineswegs jedoch gestohlen hatte, während die offizielle Verteidigung, geblendet von meinen überragenden Fähigkeiten, wie ich vermute, untätig herumsaß. Dass sein Vorbesitzer die besagten Gegenstände zuvor noch gar nicht verloren hatte, konnte Herr Schramm nicht wissen. Zudem konnte er schließlich nichts dafür, dass der selbsternannte Bestohlene sein Auto nicht eindeutig genug als seinen Besitz gekennzeichnet hatte. Sie sehen: vollkommen eindeutig war doch die Unschuld des Herrn, der Grund dafür, dass ich sodann in meinem redlichen Schlussplädoyer einen Freispruch fordern musste.

Doch, um nun zum Grund meines gerechten Zornes zu kommen, trotz der unstrittigen Unschuld des Herrn Schramm sowie meines überzeugenden Auftrittes im Gerichtssaal, besaß dieser Dilettant von einem Richter die Frechheit, den Angeklagten wegen Diebstahles zu verurteilen. Sollte Herr Schramm nunmehr den eingangs erwähnten Beweis seiner Gutartigkeit von mir zurückverlangen, seien sie versichert, ich werde nicht zögern, das Geld von diesem sauberen Richter einzuklagen, ist dieser doch für diesem Justizirrtum schlimmster Güte verantwortlich.

Hochachtungsvoll
Dr. Traugott Leimhuber



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