Wie an einem jeden Tag fuhr ich auch am heutigen Morgen pünktlich um 7.30 zur Arbeit, bin ich doch ein äußerst pflichtbewusster Mensch. Natürlich bin ich nicht nur besonders pflicht- und auch verantwortungsbewusst, sondern auch nett. So sehe ich natürlich ein, dass redliche Herren, welche hinter mir an der Ampel stehen, den Drang verspüren, pünktlich zu Beginn der Grünphase auch losfahren zu können. So habe also ich es mir angewöhnt, diesem Drange Abhilfe zu schaffen, indem ich selbst, so ich denn als erster an der Ampel stehe, netterweise immer etwas früher losfahre, damit auch der zweite und dritte Herr pünktlich weiterzufahren imstande sind. Sie sehen: so nett bin ich zu meinen Mitmenschen!

Nicht anders am heutigen Morgen: Ich hatte das Glück, etwas für den reibungslosen Ablauf des Straßenverkehrs tun zu können, als erstes Fahrer an der Ampel zu stehen. Heute hatte ich meinen besonders sozialen Tag, so fuhr ich noch einige Sekunden früher, als gewohnt an. Doch, nicht einmal diese gute Tat kann man in der verdorbenen Gesellschaft von heute noch ungestört durchführen: ein garstiges Kind, sicherlich nicht älter als acht Jahre, lief mir geradewegs vor den Wagen! Noch so jung, und trotzdem bereits verdorben genug, einem redlichen Menschen am frühen morgen einen solchen Schrecken einzujagen, zudem seine tägliche gute Tat zu verderben. Das hätte wahrlich nicht einmal ich von unserer Jugend gedacht. Glücklicherweise war ich noch imstande, rechtzeitig zu bremsen, und so weiteren Schaden zu verhüten. Ich sage ihnen: hätte ich selbiges nicht mehr zustande gebracht, und mein redlicher Bentley hätte nur einen Kratzer erhalten, ich hätte gewiss nicht gezögert, die Eltern dieses Balges auf ihr letztes Unterhemd zu verklagen.

Hochachtungsvoll
Dr. Traugott Leimhuber



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