Kapitel I: Geburt und erste Schritte

Als ich das Licht dieser Welt zum ersten Mal erblickte, konnte man um genau zu sein nicht von einem solchen sprechen, rau und schroff blies der eisige Novemberwind an die ehernen, trutzigen Mauern meiner Väter Kastell.

Das redliche Familienkastell

Dass ich zum genauen Hergang dieser, meiner ersten Minuten und Stunden auf diesem Planeten nur recht wenig zu sagen vermag, mag man mir redlichst vergeben, schließlich war ich zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung, ja sogar ein hilfloser Säugling.

Allerdings belegt die erste Photografie meiner Person ohne Zweifel, dass ich nicht, wie oft kolportiert nackend meine erste Aufwartung bei meiner Mama und meinem Papa machte, in ein keusches Bärenfell gewandet bin ich dort zu sehen, vermutlich war es bereits der Storch, welcher mich in dergestalt verhüllten Zustande meinen Eltern übergab.

Diese indes zeigten sich vom höchst unerwarteten Segen hocherfreut, leben sie doch bis dato in absoluter Keuschheit und hatten mit einem solch reichen Beschenkung kaum gerechnet, nun ward ihnen ein äußerst strammer Knabe und Stammhalter geschenkt, welcher den ehernvollen Namen derer von Friedel weiterhin bewahren werde, auch über den Tod meines Herrn Vater hinaus, wenngleich dieser nunmehr ein wenig beunruhig war, hatte er doch stets lautstark verkündet, diese Welt nicht verlassen zu wollen, ehe unser Herrgott ihn mit einem redlichen Stammhalter beschenke, nun schien er seine Daseinsberechtigung jäh verloren zu haben, woraufhin er sich umgehend auf sein Sterbebette niederlegte, ja sogar der Pfarrer wurde zwecks letzter Ölung bestellt.

Aller Anfang
ist schwer -
ich als Säugling

Erst nach einer vollen Woche, in welcher er fromm und keusch auf seiner Lagerstatt ausgeharrt hatte, ohne allerdings dem Gevatter begegnet zu sein, konnte meine Frau Mutter ihn wieder zum Aufstehen überreden, in diesem Falle wurden ihr die Verdienstausfäll meines Herrn Vaters doch ein wenig zu erheblich, zumal die Witwenrente erst nach dem kompletten Dahinscheiden ihres Gatten ausbezahlt worden wäre. Schließlich gelang es ihr, sich mit ihm auf den Kompromiss zu einigen, doch zumindest bis zu seinem endgültigen Dahinscheiden mit der Arbeit fortzufahren.

Nun allerdings zurück zu mir.

Recht bald wurde mir meine äußerst enervierende Situation vollumfänglich bewusst, zum damaligen Zeitpunkt war ich nicht einmal in der Lage, meine Schließmuskeln unter adäquater Kontrolle zu halten, die exakten Details dieser Unpässlichkeit möchte ich dem geneigten Leser an dieser Stelle allerdings ersparen.

Auch war ich rund um die Uhr in meiner Wiege, oder auch in einem anderen Gefängniss festgesetzt, was mich schon sehr bald veranlasste, einen Fluchtplan zu ersinnen, schließlich hatte ich kaum die Absicht, den Rest meines Lebens in diesem Karzer zu verbringen, schien die Welt in all ihrer keuschen Pracht doch eindeutigst zu verlockend.

In der Tat gelang es mir schließlich, meinen Kerker zu verlassen, die bereits angesprochene Unpässlichkeit meiner Schließmuskeln kam mir hierbei nicht unwesentlich zupass, schien meine Verdauung doch gerade an diesem Tage mehr als exzellent, somit war ich schließlich und endlich sogar recht bequem in der Lage, die Stäbe meiner Zelle zu überwinden.

Nun, sollten Sie, werter Leser, nunmehr einen unverzüglichen Beginn meiner Reisen und Abenteuer erhoffen, so muss ich Sie zu meinem großen Bedauern enttäuschen, aller Anfang erwies sich sogar schwerer, als ohnehin schon sprichwörtlich.

Zu meiner großen Enttäuschung musste ich nun, in meinen ersten Gehversuchen in der Freiheit konstatieren, dass meine unredlichen Schließmuskeln beileibe nicht das einzige waren, was ich nur äußerst suboptimal zu kontrollieren vermochte, auch meine Beine versagten mir Unverfrorenerweise ihren Dienst, jeder zaghafte Gehversuch endete umgehend auf einer höchst unredlichen Körperstelle, die näher zu beschreiben mir schon allein meine gute Kinderstube redlichst untersagt.

Aufgrund dieser Unzulänglichkeiten war mein erster Ausflug verständlicherweise kaum ein großes Vergnügen, fast sehnte ich mich in meine Zelle zurück, hätte es dort doch zumindest eine Falsche Milch gegeben, welche die Dienstmagt mir stets um Punkt 12 zu servieren hatte.
Wie es der Zufall eben wollte, begegnete ich auf meinem Fluchtversuche meinem Herrn Papa, welcher soeben, im Gebete vertieft, über die Gänge unseres Kastells wandelte.

Selbstverständlich verursachte Ihm mein unredliches Aufbegehren, welchem ich in meinem Fluchtversuch Ausdruck verlieh einigen Groll, trotz seiner Todgeweihtheit ließ er es sich nicht nehmen, mir meine erste Lektion mit dem keuschen Stocke höchstselbst zu erteilen, wofür ich ihm heute noch in tiefster Dankbarkeit verbunden bin, somit hatte ich sogleich meine erste wichtige Lektion für meinen weiteren Werdegang erhalten:

Aufbegehren führt unweigerlich zur Züchtigung.

Ihr
Baron von Friedel





Baron Jesus Maria von Friedel Konteradmiral a.D. Bodo von Klotz Dr. Traugott Leimhuber Ferdinand Birnbaum Baldian Loth Kardinal Theodore de Marcus