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wie aus den Medien bekannt sein dürfte, ist der neue Barbier-Laden „Fäschen Fäktori“ im Blumenviertel schon in der ersten Woche nach Eröffnung komplett und bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Man steht hierbei redlichst vor einem Rätsel – auch gerade, weil zum Zeitpunkt des Unglücks nachweislich der Herr von Friedel wie auch ich selbst anwesend waren.

Die Presse berichtete eingehend

Bekannter Maßen ist schon die Anwesenheit eines einzigen redlichen Herrn eine Garantie dafür, dass die Ruhe als erste Bürgerpflicht durchgesetzt wird. Bei der Anwesenheit von ZWEI redlichen Herren indes, ist sogar mit so genannter „Kaiser-Ruhe“ zu rechnen - dem redlichen Höhepunkt der öffentlichen Qrdnung, bei dem unser lieber Kaiser sich sogar den Luxus eines ungestörten Mittagsschläfchens gestattet.

Ein so ungeheuerlicher Vorfall wie die totale Zerstörung eines Barbier-Salons ist daher kaum denkbar und durch keinerlei Theorie zu erklären, sapperlot!

Bedauerlicherweise haben der Herr Baron und ich jedoch teilweise Erinnerungslücken aufzuweisen, die sicherlich eine Spätfolge des Brandes darstellen. Wir haben daher redlichst versucht, unsere gemeinsamen Erinnerungen zusammen zu tragen, um die Vorfälle des bewussten Tages rekonstruieren zu können.

13.00: Barbier „Jacque“ hängt ein „Closed“ Schild vor die Tür. Heureka, auf diesen Augenblick habe ich gewartet. Da Englisch-sprachige Herrschaften nun nicht mehr bedient werden, erwartet mich natürlich bevorzugte Behandlung. Mit Schwung betrete ich den Laden, in dem mich direkt eine schwüle Duftwolke aus Parfüm und Haarwasser umgibt! „Potzdonner!“ rufe ich „Die Fenster auf, aber zack-zack!“. Ein seltsamhaariger Jungspund mit alberner, bunter Kleidung glotzt mich verdattert an, macht aber keine Anstalten, sich zu erheben. Heureka, ich schnappe mir den Lauser am Ohr, ziehe ihn zur Fensterscheibe und stoße ihn mit der Stirne einige male vor das Glas. „Sehen Sie, junger Mann? Wäre das Fenster offen, Ihre Stirn würde ohne eine einzige Beule davon kommen!“, brülle ich und verpasse dem Kerl mit der Scheibe noch einige herzhafte Nasenstüberl. Der Frischling windet sich in meinem stahlharten Griff und kreischt dabei wie ein Waschweib „Schef, Schef, ein Irrer, ein Irrer, kommen Sie schnell“. Heureka, sofort drehe ich mich um, kann aber keinerlei geistesgestörten Eindringling entdecken. Der Lehrbub, denn um einen solchen wird es sich wohl handeln, kassiert für die dreiste Lüge sogleich eine Maulschelle, die sich gewaschen hat. Da erscheint auf einmal eine Gestalt aus dem Nebenraum, die an Obskurität kaum zu übertreffen ist. Nachträgliche komme ich nicht umhin, an den personifizierten Untergang des Abendlandes zu denken, sapperlot! Bunte, eckige Haare winden sich über ein Gesicht, in dem soviel Blech angeheftet scheint, wie es sonst nur auf der stolzen Brust eines Gardegrenadieres zu finden ist. Gerade als das „Ding“ etwas sagen will, geht meine rechte Hand los – ein nicht-willkürlicher Reflex, das Ergebnis von jahrelanger Sensibilisierung bei der Erkennung von Unholden. „Bahbah!“ rufe ich, und noch während das Klatschen im Raume widerschallt, bemerke ich wie sich mein Gesichtsfeld verengt und alles eine leicht rote Färbung annimmt. Verschwommen nehme ich noch wahr, dass justement die Ladentüre erneut auffliegt und der Herr Baron von Friedel den Raum betritt. Danach kommt eine Weile nur Nebel in meiner Erinnerung.

13.10: Gerade führe ich mit Herrn Montechristo einige Artikulationsübungen durch, hat mein treuer Kamerad doch seine Sprache noch immer nicht wieder gefunden. Heißa, welch erfreulicher Frühlingstage, mit einigem Genusse nehme ich die allgemeine Ruhe und Friedlichkeit des mittäglichen Treibens zur Kenntnis. Plötzlich bricht ein geradezu infernalisches Getöse los, fast könnte man meinen, ein wilder Hottentotten-Stamme habe den redlichen Geranienwege zum Exerzierplatze erkoren, Potztausend! Selbstverständlich reagiere ich wie jeder normale Mensch: umgehend greife ich mir meinen erst gestern frisch gereinigten Bärentöter, um dem Verursacher dieser Kakophonie umgehend einen keuschen Blattschusse auf den Pelze zu brennen. Die Störung der Mittagsruhe, so vermag ich rasch zu konstatieren, scheint aus dem neu eröffneten Barbier-Salon auf die Straße zu dringen. Mit gestreckter Waffe betrete ich das Etablissement, nicht ohne mich mit einem Lauten „Potzdonner, was hat dieser Lärm zu Mittagsschlafender Stunde zu bedeuten?“ bemerkbar zu machen. Es bietet sich mir ein Bild des Grauens: der gesamte Salon befindet sich im Zustande der Verwüstung, Haarlack und Pomade fließen in Strömen am Boden, Haartrockengeräte schrauben sich mit lautem Summen durch die Luft. Doch der schrecklichste Anblick bietet sich mir inmitten des Salons: mein treuer Freund Bodo von Klotz scheint hier mit einem Wesen zu ringen, welches meine anfängliche Befürchtung bezüglich der wilden Hottentotten gar zur Farce zu degradieren weiß! Selbstredend zögere ich nicht lange, meinem Kameraden zu Hilfe zu eilen, aus der Hüfte gebe ich direktemang einen Spontan-Schusse auf die grausige Bestie ab. Was folgt, ist ein ungeheuer heller Lichtblitze, sodann eine Ohmacht meinerseits…

13.20: Was ist passiert? Nur langsam lichten sich die Schleier vor meinen Augen und ich werde meiner eigenen Hände angesichtigt – die linke den Barbier mit eisenhartem Griff am Schlafittchen haltend, die rechte Unnachgiebig zu Maulschellenparade auf- und niederfahrend. Ein gewaltiger Knall war es, der mich aus meinem heiligen Zorn heraus in die Gegenwart zurückgerissen hat. Ich registriere ein gewaltiges Pomadenfass, das explodiert zu sein scheint, daneben den Herrn Baron den die Druckwelle zu Boden geworfen hat, den rauchenden Bärentöter noch in der Hand. „Feurio“ rufe ich und entlasse den Herrn Jacque aus der Linken. Sogleich gleitet der Hallodri wie ein nasser Jutesack zu Boden und stellt sich tot – eine Taktik aus dem Tierreich, die natürlich bei mir nicht verfängt. Schnell schicke ich einen redlichen Hieb mit dem Gehstock hinterher, um den Unhold auf dem Fußboden in den Schlaf zu wiegen, sapperlot. Während ich dem Herrn Baron dann zu Hilfe eile und den Bärentöter in meine Hände bringe, sehe ich im Augenwinkel, wie der Lehrbub hinter einer Vitrine mit hochprozentigem Haarwasser hervorlugt. Das panische Flackern in seinen Augen, sein Zittern und Schlottern in Mark und Bein verrät mir glasklar: der Bursche setzt zum heimtückischen Sprunge an, nun heißt es redlichst er oder ich. Zum Glück ist die zweite Schrotpatrone des Bärentöters nicht abgefeuert worden und so richte ich die Waffe auf das Haarwasserregal und Drücke ab. Der Effekt ist einfach – umwerfend. Eine Wand von Licht und Hitze rast mir entgegen, so das ich gerade noch „Es lebe der Kaiser!“ rufen kann, bevor ich abermals das Bewusstsein verliere und neben dem Herrn Baron zu Boden sinke.

13.20: Ich befinde mich im Schützengraben in Verdun. Artilleriefeuer pfeift mir links wie rechts dutzendweise um die Ohren. „Wie herrlich“, denke ich bei mir, „solcherlei faszinierende Landschaften entstehen eben nur von redlicher Menschenhand!“. Im Sperrfeuer erblicke ich – kaum vermag ich meinen Augen zu trauen – den redlichen Kaiser. „Ich rette Euch, Eure Majestät“, mit diesen Worten wage ich den beherzten Sprunge aus dem Unterstand, doch just in diesem Momente schlägt ein Feindliches Geschütz ein, und lässt die Welt in Flammen aufgehen… Als ich erwache, erwarte ich mich zunächst, durchaus Verwundert über mein nicht erfolgtes Ableben, in einem kaiserlichen Lazarette, umso größer meine Verwunderung, als ich mich innerhalb eines regelrechten Flammeninfernos wieder finde: Allüberall züngeln die Flammen lichterloh, in Ihrer Mitte ein junger Schmierlapp, dessen Hosenboden offensichtlich ebenfalls Feuer fing, in lautstarkem Wimmern begriffen. Unmittelbar neben mir erblicke ich Herrn von Klotz, welcher offensichtlich seines Bewusstseins verlustig ging. Beherzt greife ich mir meinen Freund, und ziehe ihn hinter einen umgefallenen Frisiertische, als bereits die nächste Explosion den Raum erzittern lässt. Die garstige Druckwelle bringt den Tisch zum Umfallen, die Welt wird abermals schwarz…

13.25: Feurio, aus einem herrlichen Traume, in dem ich die Großwildjagd mittels Buschfeuer betreibe, komme ich zu mir und finde mich in einem brennenden Inferno wieder. Links neben mir liegt der Herr von Friedel selig schlummernd am Boden, rechts hinten versucht der unselige Lehrbub den Unhold Herrn Jacque aus einem Fenster zu wuchten. „Potzdonner und Paukenschlag!“ rufe ich „Das hat man gerne! Erst hier mit Schwefelhölzern spielen und dann, sobald man das Malheur nicht mehr zu stoppen kann, das Hasenpanier ergreifen!“. Auch wenn es schwer fällt, sehe ich mich genötigt den Herrn Baron in seinem wohlverdienten Nickerchen zu stören. „Die Patronen, die Patronen, lieber Freund!“ rufe ich und rüttle den Herrn von Friedel, dessen Schlaf sich indes als zu tief erweist, sapperlot. Mir bleibt nichts übrig als, den Herrn von Friedel über meine Schulter gelegt, die Haderlumpen durch das Fenster zu verfolgen. Kaum sind wir jedoch in den Hinterhof gelangt, so bricht mit einem keuschen Knacken der Dachstuhl in sich zusammen und ein fort geschleuderter Ziegel touchiert auf garstigste Weise meinen Hinterkopf,. „Parbleu“ rufe ich aus, „Dies scheint mir die kosmische Sicht zu sein von der Herbert zu berichten weiß – Sterne über Sterne am Firmament!“. Dann wird es schwarz um mich herum

13.30: Wo bin ich nur? Auf dem bloßen Kopfsteinpflaster erlange ich abermals das Bewusstsein, vor mir lodern die Flammen im Salon bereits bis zum Dachstuhle! Die redliche Feuerwehr ist allerdings bereits am Orte, und wird der Flammen gewiss Herr zu werden vermögen, schließlich ist auf die kaiserliche Feuerwacht noch stets Verlass gewesen. Der dubiose Herr Jakes indes versteht noch immer aufs Trefflichste, den Eindruck eines Schmierlapps zu erwecken, lässt sich dieser doch soeben auf kosten der redlichen Steuerzahler aufs Dämlichste Glucksend in einen Ambulanzwagen verladen. „Potzdonner“, brülle ich, „erst harmlose Rentner anfallen, sodann noch seinen eigenen Laden in Flammen setzten, und sich schlussendlich noch auf Kosten der Allgemeinheit im Hospitale umherwälzen!“ Inzwischen scheint auch der Herr Konteradmiral sein Bewusstsein wiedererlangt zu haben, gemeinsam begeben wir uns umgehend zu den inzwischen eingetroffenen Ordnungshütern. Selbstredend versäumen wir es nicht, sämtliche Tatbestände aufs Penibelste zu Protokolle zu geben: Ruhestörung, tätlicher Angriff auf arme Rentner, Brandstiftung, „vermutlich Versicherungsbetrug“, wie der Herr Konteradmiral redlichst ergänzt.

Sodann begeben wir uns umgehend in die redliche Parkklause, um den aufregenden Ereignisse erst einmal einem redlichen Wacholder entgegenzusetzen.

Redlichst, die Protokollanten,

Bodo von Klotz

Baron von Friedel

Baron Jesus Maria von Friedel Konteradmiral a.D. Bodo von Klotz Dr. Traugott Leimhuber Ferdinand Birnbaum Baldian Loth Kardinal Theodore de Marcus