Werte Damen und Herren, verehrte Kundschaft,

Ich komme kaum umhin, Sie aufs Herzlichste innerhalb meines keuschen sowie redlichen Titelladens zu begrüßen, Potzdonner!

Nun mögen Sie sich fragen: „Ein Titelladen, schön und gut, ich brauche doch aber gar keinen Titel“.

Nun, in diesem Falle möchte ich Ihnen entgegnen, dass Sie sich in dieser Angelegenheit durchaus auf dem Holzwege befinden könnten, manche Zeitgenossen neigen ohnehin dazu, diesen zeitlebens zu beschreiten, und diesen somit von einem Trampelpfade in eine breite Römerstrasse zu verwandeln.

In der Tat macht gerade die heutige Zeit einen Titelkauf erforderlicher denn je, ist es somit doch möglich, sich in Zeiten der großstädtischen Anonymität ein gewisses Maß an Individualität zu verschaffen.

Sie können mir redlichst glauben – auch in Ihrem Pförtnerhäuschen wird man Ihnen mit mehr Respekt begegnen, sobald Sie dort als waschechter Großvesir oder gar als keuscher Haushofmeister Ihren Dienst verrichten, Potztausend!

Greifen Sie nun zu, und versichern Sie sich der neidigen Blicke Ihrer gesamten Nachbarschaft. Waren Sie noch vor kurzem ein mehr als gewöhnlicher Schweinehirte, welcher auf eingehende Körperpflege keinen allzu großen Wert legte, und somit das Gespött der gesamten Ortschaft?

Seien Sie versichert, dass diese Tatsachen keinen Menschen mehr kümmern werden, sobald Sie als ein waschechter Sultan für das redliche Borstenvieh sorgen, Potzdonner! Sicherlich können Sie sich bald einen redlichen Harem aus heiratswilligen Frolleins in Ihrer spärlichen Hütte anlegen, in welcher Sie von nun an nicht mehr nur wohnen, sondern zugleich auch Hof halten können.

Sie sehen also – ein Titelkauf kann auch Ihr bis dato spärliches Dasein umgehend in einen Quell der anhaltenden Freunde verwandeln, sofern Sie nur den Mut aufbringen, den Einschnitt, welchen ein solcher Kauf gewiss bedeutet zu riskieren.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, könnte man an dieser Stelle Treffenderweise anführen, oder, wie man innerhalb unserer Brache etwas salopp sagt, „Auch die Sau macht sich als Schweinepriester besser“.

Ohne mich in unangebrachter Art und Weise mit Eigenlob zu überhäufen, möchte ich zudem darauf hinweisen, dass es mir bislang stets gelang, meine Kunden bis zur Übersättigung zufriedenzustellen, selbst für ausgesprochen dekadentes Adelige ist es nicht unmöglich, sich innerhalb meines Sortiments nach weiteren Stücken umzusehen, eine weitere Dekadenz-Steigerung ist niemals im Bereich des Unmöglichen.

Nun allerdings genug der zugegebenermaßen mehr als angebrachten Herausstellungen der zahlreichen Vorzüge meines redlichen Ladens, nunmehr möchte ich Ihnen die Vorzüge eines redlichen Titelkaufs nochmals an einem konkreten Beispiele erörtern.

Sollten Sie sich beispielsweise für den Ankauf eines redlichen Kardinal-Titels entscheiden, so sollten Sie sich folgende Fragen stellen:

Sie haben kein gesteigertes Interesse an einer Heirat und an der redlichen Nachwuchszeugung? Die Frolleins schenken Ihnen trotz verzweifelter Versuche Ihrerseits kaum Beachtung? Unterlassen Sie umgehend das Herumgrämen, es gibt die ideale Lösung für Sie: Werden Sie Kardinal, Potztausend! Abseitig der äußerst bequemen Kutten, welche Sie von nun an tagtäglich tragen können, ohne auch nur einen abschätzigen Blick zu ernten bietet dieser Posten noch viele andere Vorteile:

-Von nun an können Sie ohne Probleme über die Unkeuschheit der Welt schwadronieren, auf der Kanzel ist Ihrer Kreativität keine Grenze gesetzt. Auch über den Zustand Ihrer rheumatischen Schulter können Sie sich ohne weiteres auslassen, die gläubigen werden auch diesen Details der redlichen Predigt andächtigst lauschen, und die Botschaft begierigst in sich aufnehmen.

-Endlich werden Sie keine entnervenden Fragen Ihrer Verwandtschaft mehr ertragen müssen, wann Sie denn nun endlich gedenken, sich zwecks Heirat mit einem Frollein zu verbinden, als redlicher Geistlicher sind Sie ohnehin an das redliche Zölibat gebunden.

Wenn Sie sich durch die von mir aufgeführten Punkte angesprochen fühlen, so sollten Sie die redliche Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen, mit dem Preis von nur 120 Euronen ruiniere ich mich fast selbst, Potzdonner

Nun, ich denke, anhand dieses brillianten Exempels sollte es mir gelungen, sein, selbst die größten Zweifler zu überzeugen, somit verbleibt mit lediglich, Sie in der Hoffnung zu entlassen, Sie in Bälde als Kunde begrüßen zu dürfen, Potztausend!

Auf unserem Nachrichtenbrette stehe ich Ihnen gerne in meinem Anschnur-Titelladen zur Verfügung,

Ihr
Baron von Friedel




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