Mir obliegt heute die Ehre, Sie über ein Thema aufzuklären, welches der redliche, religiöse und tugendhafte Ehrenmann für gewöhnlich totzuschweigen weiß - und zwar aus gutem Grund, potztausend!

Ich komme kaum umhin, den allgemein verwendeten, allerdings dennoch meiner Meinung nach sittenwidrigen Begriff, dessen Penetranz in der heutigen Gesellschaft kaum mehr tragbare Ausmaße anzunehmen droht, in der nächsten Hypotaxe zu verwenden:

In diesem Artikel erdreiste ich mich über meine erste und einzige Erfahrung mit dem sog. "Sex" zu berichten, zum Einen, um Sie moralisch zu stärken, zum Anderen, um Ihnen vor Augen zu führen, wie diese von der Industrie kreierte und euphorisch forcierte Thematik in der Realität deren Glanz verliert.

Nun, alles fing damit an, daß Ich und meine Frau uns einen Erben und würdigen Träger des Namens "Loth" wünschten. Als Akademiker wusste ich auch ob der Tragweite dieses Wunsches, verlangt selbiger doch von den Eheleuten die Vollziehung des sog. "Geschlechtsaktes", potzdonner und paukenschlag!

- Der folgende Text darf ausschließlich von verheirateten Erwachsenen, d.h. wenn Sie älter als 50 Jahre sind, gelesen werden -

Gleich vorweg bleibt zu erwähnen, daß unser Vorhaben durch ein entscheidendes meine Frau betreffende Manko getrübt wurde: Laut Hausarzt kommt ob diverser, erblich bedingter Fehlbildungen im Genitalbereich lediglich eine künstliche Befruchtung in Frage.

Diese Art der Befruchtung stellte uns zuanfangs vor ein Rätsel, zumindest bis ich durch Zufall auf einem Regional-Fernsehsender eine Reportage über künstliche Rinderbesamungen sah und das dort gezeigte Verfahren in einer Eigeninitiative adaptierte:

Leider verlangt ein Sex, sich mindestens soweit zu entblößen, daß entsprechende Geschlechtsteile frei liegen - ja, das heißt, nicht von einem Kleidungsstück verdeckt werden! Noch heute vermag ich das Grauen zu verspüren, welches durch diese absurd peinliche Situation in mir und meiner Ehefrau hervorgerufen wurde, als ich mich ohne Unterwäsche im selben Raum mit ihr befand und sich zudem ein beißender Geruch auszubreiten erdreistete. Einen jeden normalen Menschen hätte wohl in diesem Moment der Mut verlassen - selbst ich war schon knapp davor, genierten wir beide uns doch allzu sehr.

Um unser Vorhaben schnell hinter uns zu bringen, ging meine Frau vor mir auf und ab, um mich zu "stimulieren" - so wie ich es auch in der Fernsehsendung zu sehen war. Nach zwanzig Minuten erfolgloser Stimulation appellierte ich schließlich an sie, sie möge doch wenigstens den Mantel ausziehen, damit sich vielleicht durch den dann freien Blick auf Ihre Bluse, die ersehnte Wirkung bei mir einstellt. Schließlich war es soweit - da eine sich einstellende, spürbare Schwellung im Genitalbereich laut namhafter Lexika ein Indikator für die Bereitschaft für einen Sex ist, sprang ich exakt so wie in der Reportage auf eine zuvor aufgebaute Attrappe auf.

Der Fernsehsendung über künstliche Samengewinnung entnahm ich des weiteren die Information, wie Selbige nun tatsächlich von statten geht: Das sog. "Glied" wird nach dem Aufspringen in ein vorgewärmtes Rohr abgelenkt, in dem sich schließlich dieser ominösen Same befinden sollte. Meine Frau hatte mit der Augenbinde, zwecks Wahrung des Anstandes, zwar etwas Mühe, mein Glied in das im Backrohr vorgewärmte Gefäß zu lenken, schließlich gelang es aber.

Kurz darauf überkam mich ein gar widerliches Gefühl, dessen Gunst mir ganz und gar nicht wohlgesonnen schien, erdreistete es sich doch, mich nachgerade zu übermannen, sapperlott! Das Perfide und vor allem Kuriose daran, war die synchrone Absonderung eines besonders dickflüssigen Harns, dessen Konsistenz von höchst viskoser Natur zu sein schien.

Nach diesem Schock verlor ich keine Zeit, sondern kleidete ich mich wieder auf adäquate Art und Weise, nahm das Rohr entgegen und begann alsbald darin nach dem Samen zu suchen. Vorzufinden war allerdings nichts dergleichen. Enttäuscht beendete ich den missglückten Sex und zog Bilanz: Einem Sex ist kein positiver Aspekt abzugewinnen und die Erfolgsschanzen, dadurch ein Kind zu zeugen, ist - wie mein Bericht zu beweisen vermag - vernachlässigbar gering, zumal das Vorhandensein eines Samens anscheinend keine Selbstverständlichkeit ist.

Werte Leser, ich hoffe in Ihnen eine intrinsische Motivation hervorgerufen zu haben, auf einen Sex grundsätzlich zu verzichten und selbigen nur als Notlösung zur Zeugung eines Kindes zu betrachten.

Dimittierend,

Baldian Loth

Baron Jesus Maria von Friedel Konteradmiral a.D. Bodo von Klotz Dr. Traugott Leimhuber Ferdinand Birnbaum Baldian Loth Kardinal Theodore de Marcus